Wie die Zeit vergeht. Bereits ist wieder ein Monat vergangen. Wieder bin ich weiter vorangeschritten auf meiner Reise zu mir und in die Welt hinaus. Gerne fasse ich den September kompakt zusammen.

Der September war geprägt durch die Mithilfe im Buddhistischen Zentrum in Oberösterreich. Das Zentrum ist idyllisch gelegen auf einem Hügel in der Gemeinde Scharnstein. Der Weg vom Dorf führt auf schmalen Strassen hinauf und hinaus in die Natur. In der unmittelbaren Nähe sind lediglich ein paar wenige Bauernhöfe und ein Gasthaus. Die besten Voraussetzungen also dafür sich tief mit einem Thema zu befassen. Zum Beispiel dem Buddhismus.

Ein Einblick in den Buddhismus

Für mich was es eine komplett neue Welt. Da ich nicht wirklich religiös bin und schon immer etwas Schwierigkeiten damit hatte mich einem einzelnen Glauben anzuschliessen, war ich zu Beginn skeptisch. Skeptisch weil die Menschen die ich dort kennenlernen durfte alle so super nett waren. Mich gleich am ersten Tag behandelt haben wie einen alten Freund und ihre Rituale offen praktizierten. Das war neu für mich und mein Abwehrsystem sprang sofort an. Nicht weil ich die Menschen unsympthatisch fand, sondern weil ich bisher lediglich negative Erfahrungen gemacht habe mit solchen Situationen. Das schlussendlich immer jemand etwas von mir erwartet hat was ich nicht bereit war zu teilen.

Nach ein paar Tagen haben sich diese Gefühle jedoch wieder zurückgezogen, weil ich rasch erfahren durfte, dass die Art wie mit den Menschen umgegangen wird völlig normal ist und sicherlich nichts von mir erwartet wird. Lediglich die Verpflichtung, dass ich mich gemäss der Ausschreibung bei Workaway in den Alltag integriere. Wenn ich jedoch aufrichtiges Interesse daran hätte mehr über den Buddhismus zu erfahren, dann sei ich jederzeit eingeladen mich an der Bibliothek zu bedienen oder Fragen zu stellen. Was ich dann auch tat.

Dieser Text wird dir nun aber nichts über den Buddhismus erklären. Nicht weil ich nichts gelernt hätte, sondern lediglich weil ich mich nicht in der Lage fühle diese, äusserst komplexe, Denkrichtung adäquat aufzubereiten. Was ich nämlich in meiner Zeit in Gomde gelernt habe ist, dass der Buddhismus so viele Aspekte besitzt und so tief verstanden muss, dass vermeintlich einfache Aussagen teilweise lange brauchen um wirklich verstanden zu werden.

Aus heutiger Sicht, mit etwas Zeit zwischen meinem Besuch in Gomde, muss ich jedoch sagen, dass sich für mich vieles stimmig anfühlt und mir auch bei Fragen geholfen hat auf welche ich bis dorthin keine Antwort finden konnte. So werde ich mich mehr mit der Philosophie des tibetischen Buddhismus befassen.

Ein Tag im Zentrum

Du magst dich nun vielleicht Fragen was in einem solchen Zentrum zu tun ist. Gerne lade ich dich in diesem Abschnitt einen Tag chronologisch zu durchleben.

Grundsätzlich gab es kein wirkliches Müssen so wie wir es kennen vom Arbeiten. Die Aufgaben die täglich anstanden war vielmehr wie zu Hause Dinge die zu tun sind kombiniert mit der Praxis für welche den Buddhismus praktizieren.

Der Tag beginnt an einem normalen Tag, damit ist gemeint, dass gerade kein Seminar stattfindet, um 7.30 Uhr. Dann startet nämlich die Morgenpraxis. Die Praxis besteht darin, dass täglich in der früh ein Text rezitiert wird mit welchem man sich auf den Tag vorbereitet. Die Praxis wird dabei mit traditionellen Instrumenten begleitet und enthält ebenso einen Abschnitt bei welchem gebetet und meditiert wird. Die Praxis dauert bis 8.30 Uhr und dann wird gefrühstückt.

Da im Zentrum viel Wert darauf gelegt wird sich gemeinsam auszutauschen und Dinge zusammen zu machen, war also spätestens dann Zeit für uns Workawayer sich im Speisesaal einzufinden und gemeinsam mit dem Rest zu frühstücken. Das Frühstück war stets reichhaltig und vielfältig. So gab es ein wirklich leckeres Porridge, Früchte, Brot, Käse, Aufschnitt, Gemüse und die Möglichkeit sich im Sandwichtoaster etwas warmes zuzubereiten. Nach dem Frühstück wurde gemeinsam der Abwasch erledigt und danach ein Meeting gehalten bei welchem die Arbeiten verteilt wurden die für diesen Tag anstanden. Die Arbeiten waren vielfältig. So war es üblich, dass nachdem Gäste abgereist sind die Zimmer wieder gereinigt wurden damit sie bereit sind für Neuankömmlinge oder, dass das Haus gereinigt wird. Auch gab es draussen sehr viel zu tun. Da ein grosser Gemüsegarten vorhanden ist, gab es für uns auch dort viel zu machen. Wir haben Kartoffeln, Tomaten und Kürbisse geerntet. Die Beete gereinigt und vorbereitet damit sie bereit sind neu bepflanzt zu werden. Auch musste dem wachsenden Grad Einhalt geboten werden und so haben wir wöchentlich den Rasen gemäht und ich den Aufsitzrasenmäher repariert welcher wirklich ständig etwas kleines hatte nun aber wieder funktioniert als wäre er neu.

Irgendwann beim Arbeiten hat dann der Gong erklungen. Dieser zeigte einem, dass bereits Zeit für das Mittagessen ist. Das Mittagessen war geprägt durch das Gemüse welches aus dem eigenen Garten stammt. Dazu gab es dann ab Mitte September fast täglich Steinpilze weil um Gomde herum so viele zu finden waren. Es war ein Traum für all jene welche Butternuss Kürbis und Steinpilze mögen.

Am Nachmittag wurden dann die Arbeiten fertigstellt welche man am Vormittag begonnen hat und nach etwa fünf Stunden Arbeit war der Arbeitstag zu ende und man konnte sich um seine persönlichen Bedürfnisse kümmern.

Um Gomde herum gibt es viele Wege zum Spazieren, es existiert auch ein natürlicher Pool welcher als Löschwasserbecken fungiert und perfekt in die Landschaft integriert wurde. Auch wurde ein Meditationspfad im westlichen Teil des Grundstück angelegt welchen ich fast täglich benutzt habe um meine Gedanken auf ein Thema zu fokussieren und mich mit mir zu beschäftigen.

Um 17.00 Uhr war es dann jeweils Zeit für die Abendpraxis. Die Praxis ist ähnlich wie die am Morgen. Lediglich der Text ist anders und länger. Die Praxis dauert auch eine Stunde und nach ihr folgt das Abendessen. Am Abendessen ist sehr ähnlich zum Mittagessen. Die Gerichte haben sich etwas abgewechselt aber im grossen und ganzen war das Essen sehr einheitlich, was ich sehr geschätzt habe, denn ich hätte mich jeden Tag zu Tode essen können. So lecker war es. Speziell die Kürbisssuppe war schlicht perfekt.

Nachdem die Küche und Geschirr gereinigt und alle Spuren des Abendessens beseitigt waren war es schon fast Zeit sich niederzulegen. Viele stehen jeweils am morgen sehr früh auf um für sich schon vor der Morgenpraxis zu praktizieren und so war es nicht unüblich, dass um 21.00 Uhr nur noch ein paar wenige Menschen im Haus zu finden waren.

Für die , die gerne am Abend noch ein Glas Wein oder Bier getrunken haben oder lediglich etwas quatschen wollten gab es die Lounge. Sie ist ein Raum mit gemütlichen Sofas und einer Bar. Dort haben wir Workawayer uns oft bis später unterhalten und über alles mögliche gequatscht.

Du siehst, dass es ein völlig ungezwungener Platz ist welcher viel Raum für die persönliche Entfaltung bereitet. Genau das habe ich so geschätzt in der Zeit. Auch war es für mich wunderbar zu erfühlen, wenn fremde Menschen dir aufrichtige Liebe entgegen bringen ohne dich zu kennen.

Den Geist beruhigen

Die einzige Absicht die ich hatte als ich mich für die Stelle als Volunteer gemeldet habe war, dass ich hoffentlich meinen Weg zur Spiritualität finde und es schaffe mir regelmässig die Zeit zu nehmen um zu meditieren. Nun hatte ich die Chance erhalten genau diese Absicht zu erreichen.

Es war äusserst spannend zu beobachten wie die Fortschritte nahezu täglich zu beobachten waren. Das Sitzen ging immer besser und bequemer, der Geist wurde immer ruhiger respektive ich schaffte es immer besser ihn unter Kontrolle zu bringen. Nicht zu Letzt half mir die buddhistische Lehre, welche mich eher an eine Philosophie erinnert, mich mehr und mehr zu fokussieren. So war es in der Zeit in Gomde ziemlich einfach für mich das Ziel der täglichen Meditation zu erreichen. Die Schwierigkeit bestand lediglich dies mitzunehmen. Nämlich nach Wien welches das nächste Kapitel dieses Monats darstellt.

Trampen in Österreich

Bereits im August wurde ich von Freunden angeschrieben und gefragt ob ich in Wien durchkäme, wenn ja würden sie mich gerne besuchen kommen. Da ich nicht wirklich einen fixen Plan verfolge war für mich natürlich klar, dass ich mich nach Ihnen richte und so haben wir das Datum von Ende September ausgemacht. Dieses Treffen war mitunter auch dafür verantwortlich, dass ich den Weg nach Gomde gefunden habe. Danke dafür!

Nur wie kommt man nach Wien ohne eigenes Fahrzeug und der Absicht möglichst Ressourcen schonend zu reisen? Da ich bereits sehr gute Erfahrungen von Kufstein nach Salzburg mit Trampen gemacht habe, bin ich natürlich auch den Weg von Gomde aus getrampt. Da Thomy an meinem Abreisetag zufälligerweise mit den Nonnen einen Ausflug unternommen hat, war dies gleich meine erste Mitfahrgelegenheit. Freundlicherweise wurde ich bis zu einem Mc Donalds an der Autobahn mitgenommen. Dort habe ich dann bereits nach einer Minute eine nächste Mitfahrgelegenheit gefunden. Nicht nur ich war sichtlich erstaunt, dass ich kaum aus dem Auto raus bereits im nächsten sass. Wenn ich mich recht erinnere, war ich sogar schneller wieder auf der Strasse als die beiden anderen Fahrzeuge welche mich dahin gefahren hatten.

Der zweite Fahrer war ein Aussendienstmitarbeiter welche mich bis zu einer Autobahnraststätte mitnehmen konnte. Ein perfekter Ort für mich den nächsten und was ich dann noch nicht wusste, finalen Fahrer zu finden. Nämlich Cumali, ein türkischstämmiger Geschäftsmann aus der Textilbranche. Die Geschichte bezüglich der Fahrt findest du in diesem Beitrag. Soviel bereits vorab. Die Fahrt war sicherlich nichts für jedermann. Nicht weil er schlecht gefahren wäre, nein weil er selbst eine etwas spezielle Lebensgeschichte aufweist. Doch genau diese Art von Begegnungen waren es, welche mich für das Trampen bewogen haben. Völlig privat mit wildfremden Menschen zu sein.

5 Tage Wien mit Freunden

Da die Fahrt mit Cumali recht flott voranging war ich bereits viel zu früh an meinem Bestimmungsort – er hat es sich nämlich nicht ausreden lassen, mich irgendwo für ihn günstigen Ort in der Stadt abzusetzen. Nein er wollte mich direkt an meinen Zielort führen. So nett der Typ.

Die Unterkünft für die kommenden Tage mit Selina, Dario und Manuel war ein Airbnb an einer nahezu perfekten Lage. Dieses stand jedoch erst ab 15.00 Uhr zur Verfügung. Dario hatte mich ebenso gebeten bereits den Schlüssel in Empfang zu nehmen so, dass dies bereits erledigt ist und wenn sie dann ankämen alles bereit ist um in die Stadt zu ziehen. Da ich bereits um 13.30 Uhr vor Ort war habe ich mich bereits etwas im Quartier umgesehen und mich am Domplatz niedergelassen und etwas gelesen. Nahezu pünktlich um 15.00 Uhr habe ich also den Schlüssel aus der Box geholt und mich bereits in der Wohnung eingerichtet. Nachdem es leichtes Spiel war ein ÖV-Ticket zu lösen welches bis zum Flughafen gültig ist, habe ich mich dann auf den Weg gemacht meine Freunde abzuholen. Die Freude war beidseitig riesig. Schön nach den Wochen des allein seins und stetigem kennenlernen von fremden Menschen mal wieder bekannte Gesichter zu sehen. Vor allem der Umstand, dass ich sie in einem fremden Land am Flughafen abholen durfte war für mich ganz speziell. Auch das plötzliche Sprechen in Schweizerdeutsch war völlig ungewohnt. So sehr hatte ich mich bereits an das Reisen gewöhnt.

Der Abend begann dann ganz gemütlich. Wir brachten zuerst das Gepäck in die Wohnun und dann ging es bereits los mit dem Entdecken von Wien. Wir assen gemütlich zu Abend, unterhielten uns und hatten schlicht eine tolle Zeit gemeinsam. Das selber wiederholte sich dann die nächsten Tage ziemlich analog. Ich genoss es sehr, dass ich gemeinsam mit guten Freunden Wien entdecken durfte. Das wohl speziellste Ereignis war der Samstagabend. Dario hatte noch ein Treffen mit zwei Kumpels vom Gaming ausgemacht. Ein wirklich toller Abend war es im mexikanischen Restaurant mit leckeren Cocktails welche dank der Happy Hour in raschen Abständen den Weg an unseren Tisch gefunden haben.

Der Tag danach war natürlich dann etwas lockerer. Natürlich ging der Abend in einer Bar zu Ende und wir lagen kurz nach fünf in unseren Betten. So war der Sonntag ein ruhiger Tag mit gutem Essen und einem Besuch im Escaperoom. Mit dem Escaperoom ging auch der Tag zu Ende und wir mussten bereits wieder daran denken unsere Sachen zu packen.

Für mich ging es nämlich bereits um 11.00 Uhr Richtung Flughafen. Wo ich dann mit zwei stündiger Verspätung nach Mallorca flog. Der Rest hatte noch die Chance den restlichen Tag in Wien zu verbringen und erst am Abend nach Hause zu fliegen.

Die nächsten vier Tage durfte ich gemeinsam mit Susi die Insel im Cabrio erkunden. Da dieses Kapitel leider im Oktober stattgefunden hat musst du dich also noch etwas gedulden. Soviel sei schon einmal gesagt. Der Aufenthalt war mit einem Wechselbad von Gefühlen verbunden!

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1 Kommentar

Nr.19: Trampgeschichten – YAHU · Oktober 25, 2019 um 4:36 pm

[…] bereits in der Zusammenfassung vom September erwähnt, erhält die Begegnung mit Cumali, meinem drittem und letztem Fahrer, auf dem Weg nach […]

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