Eine Absicht die ich mit meiner Reise bezwecke ist es frei zu werden. Einfach sein zu können und mir sicher zu sein, dass ich mich auf dem rechten Lebensweg befinde. Nur ist dieser Prozess nicht gerade der einfachste. Obwohl ich es mir so romantisch ausgemalt habe. Jeden Tag Radfahren, Leute kennenlernen, über den Sinn des Lebens philosophieren und irgendwann wieder nach Hause gehen.

Naiv wie ich war habe ich das für einen super Plan gehalten und nicht weiter darüber nachgedacht. Mittlerweile habe ich eine Ahnung davon, dass es besser ist keinen Plan zu haben und genau an diesem Punkt steht mir meine Vergangenheit im Weg.

Gewohnheiten brechen

In meinem Kopf, in welchem bisher mein ganzes Leben lang nach Logik funktionierte, muss plötzlich Platz geschaffen werden für Freiheit und absolute Spontanität. Obwohl mein Kopf mir bisher das Gefühl vermittelt hat, dass ich spontan bin habe ich doch bemerkt, dass dies eine falsche Annahme war. Denn die Spontanität welche ich bisher als für spontan gehalten habe hat sich darauf beschränkt einfach von jetzt auf da zu sagen wir unternehmen den Ausflug X oder gehen spontan ins Restaurant Y essen. Jetzt werden aber ganz neue Herausforderungen gestellt. Bei der Kreuzung links oder rechts? Wo geht es lang zu Ort Z? Wieder erwische ich mich dabei einen Plan zu verfolgen und diesen irgendwie abzuspulen. Wieder und wieder nehme ich den Radweg welcher bereits viele Kilometer zu vor anzeigt wo ich landen werde. Regelmässig falle ich das gewohnte Muster der Logik. Frei werden ist nicht so einfach wie ich es mir vorgestellt habe. Es kommt mir vor, dass ich lediglich nicht mehr im Hamsterrad des täglichen Arbeitens gefangen bin, aber nun im Hamsterrad des Reisens. Sicherlich die schönere Form davon, aber wollte ich nicht einen Weg aus dem Hamsterrad finden und die alten Gewohnheiten brechen?

Aktuell habe ich darauf noch keine Antwort. Wenn ich in anderen Blogs, Podcasts oder Bücher Antworten auf diese Frage suche, finde ich immer wieder die Aussage, dass der Weg durch all diese Situationen führt, welche ich bereits erlebt habe oder noch erleben werde. Es dauert scheinbar seine Zeit bis man seine Gewohnheiten, welche wir Mitteleuropäer als Selbstverständlich und kaum noch wahrnehmen, abgeschüttelt haben oder zumindest bewusst deaktivieren können.

Herz und Kopf vereinen

Es wäre gelogen, wenn ich schreiben würde, dass mir das Losfahren nichts ausgemacht hat. Obwohl ich mich schon lange sehr auf den Start dieser Reise gefreut habe bin ich mit einem lachenden und weinenden Auge gestartet. Das lachende hat alles dermassen überschattet, dass das weinende erst mit einigen Tagen Verzögerung seine Gefühle austragen konnte. Leider hatte ich darin viel Traurigkeit angesammelt welche erst in Zernez ihren Weg nach aussen fand. Schon in den ersten Tagen und immer dann wenn der Körper vom Radfahren schwach war hat es mich voll getroffen. Es schossen mir viele Zweifel durch den Kopf. Ist es das richtige? Tue ich gerade meinen grössten Fehler? Warum musste das sein?

Beinahe habe ich mich davon einlullen lassen und hatte bereits verschiedene Pläne warum ich zurückkehren könnte und wie mein Leben danach aussehen könnte. Doch wusste ich, dass wenn ich dies machen würde es vorbei wäre mit dem frei werden. Vorbei mit der Entdeckung meiner ganz persönlichen Liste an Dingen die ich vorhabe bevor mein Erdenleben vorüber ist und vor allem es wäre vorbei das Herz mit dem Kopf zu verbinden.

Die innere Stimme

Es ist wirklich spannend zu fühlen, dass wenn man sich ein paar Tage diesen Gedanken aussetzt und im inneren einen Dialog darüber führt was gut und schlecht daran ist kommt man damit effektiv auf Antworten. Auch treten aus dem nichts neue Gedanken hervor welche zu neuen Ideen inspirieren. Es sogar plötzlich nicht mehr so schlimm ist wie schon nur eine Nacht zu vor. Es begeistert mich, hautnah und täglich zu erleben wie ich mich mehr in diesen Reisemodus finde.

Was mir jedoch wirklich schwer fällt ist nicht nach einem logischen Muster zu agieren. Zu sehr hat mich meine berufliche Vergangenheit in diesem Denken geformt und geprägt. Nur geschehen die besten Dinge nicht eben genau dann, wenn die Logik pause macht? Das habe ich jedoch nach diesen Tagen das Gefühl. Immer wieder, wenn ich nicht damit gerechnet habe ist etwas wunderbares passiert. Also mache ich es mir als Aufgabe mehr auf dieses Gefühl zu achten und zu horchen was es mir wohl sagen möchte.

Zukunft

Ich bin endlos gespannt was die Zukunft bringen wird. Aktuell habe ich eine kleine Vorstellung davon was es sein könnte. Doch es ist noch zu frisch um bereits darüber zu schreiben. Etwas was mir bereits klar wurde auf der bisherigen Tour und allen Gesprächen davor ist, dass der Schlüssel für eine intensive und Erlebnisreiche Reise die Sprache ist. Diese öffnet Türen, die ansonsten verschlossen blieben. Genau an diesem Punkt schnappt meine Idee ein. Bleib also gespannt!


1 Kommentar

Ronny Graber · August 14, 2019 um 1:59 pm

Mega schön und guet gschribe.
I hoff das du uf dim witere Wäg no vel me so gedanke kasch ha und au lehre was für de wechtig esch und was esch ganz klar geht zum los lo.
Witer so yannick be mega stolz uf de. Und i gedanke jede Tag be der

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.